Ohne Scheiben in die Zukunft? Audiovisuelle Medien in Bibliotheken

Unter diesem Titel fand am Donnerstag, 15. November 2018 eine gemeinsame Veranstaltung der Zentralbibliothek Zürich und der PBZ statt. Zur Einleitung referierte Dr. Anna Bohn, Referatsleiterin Filmbibliothek an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Anschliessend diskutierte Frau Bohn mit Jan Melissen, Leiter des Medien- und Informationszentrum der ZHdK, sowie Hermann Romer, Leiter der Winterthurer Bibliotheken Die Moderation übernahm Alice Keller, Chefbibliothekarin Bestandsentwicklung an der Zentralbibliothek Zürich.

In der Veranstaltung wurden viele Fragen aufgeworfen und die vielfältigen Themen rund um audiovisuelle Medien in Bibliotheken beleuchtet. Eine pfannenfertige Lösung für alle Arten von Bibliotheken im Umgang mit Filmen ergab sich nicht, weil diese noch nicht existiert. Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer haben aber gezeigt, dass das Thema relevant ist und dass weitere Veranstaltungen dazu Anklang fänden.

Die Krux mit den Rechten

Der Themenbereich der Rechte rund um Filme wurde von Frau Bohn angeschnitten. Filmrechte sind komplex, weil es verschiedene Rechte mit verschiedensten Beschränkungen gibt. So sind diese Rechte oft regional, zeitlich oder nur auf eine bestimmte Publikationsform beschränkt. Es ist deshalb schwierig, Rechte für das Online-Streaming von Filmen einzuholen. Herr Melissen erwähnte in diesem Zusammenhang nanoo.tv, eine Filmplattform für Bildung. Dort wurden die Rechte für viele Fernsehsendungen national geklärt, allerdings nur für Bildungseinrichtungen.

Weil die Rechtesituation komplex und deren Klärung sehr aufwendig ist, bleibt den Bibliotheken fast nur die Möglichkeit, sich an einen externen Anbieter zu wenden, der die Einholung der Rechte übernimmt. Da die Datenmengen im Bereich der audiovisuellen Medien sehr gross sind, können die meisten Bibliotheken zudem das Hosting nicht selbst übernehmen.

Portale in den Kinderschuhen

Die kommerziellen Streamingportale für Bibliotheken im Bereich audiovisuelle Medien sind alle noch nicht lange auf dem Markt. Es gibt noch wenig Erfahrungen dazu auf Bibliotheksseite und auch die Rechteinhaber von Filmen wissen noch nicht, wie sie diese Portale einschätzen sollen. Frau Bohn zählte einige (Video)-Streaming-Angebote auf: Filmfriend, Academic Video online, Freegal, Hoopla, Indieflix, Kanopy, Lynda.com oder Overdrive. Zu den Open Access-Anbietern gehören: European Film Gateway, Internet Archive, Mosfilm Cinema.

An die Bedürfnisse anpassen

Herr Romer führte aus, dass Ausleihzahlen für öffentlichen Bibliotheken ein zentraler Faktor sind. Filme, die in den Winterthurer Bibliotheken bereits sehr früh eingeführt wurden, waren lange ein Ausleihrenner und Zahlenbooster. Die zahlreichen kommerziellen Streamingdienste lassen diese Zahlen jedoch sinken. Die offene Frage ist nun, was Bibliotheken unternehmen können, um diese Tendenz zu beeinflussen.

Eine wichtige Frage ist das Interesse der Kundinnen und Kunden: Was möchten sie von Filmen in der Bibliothek? Geht es um Unterhaltung oder besteht auch ein Interesse im Bereich Bildung oder Wissenschaft? Je nach Bedürfnis muss das Angebot anders aussehen. So bietet die ZLB Filme in verschiedenen Editionen an, was für die wissenschaftliche Forschung sehr wichtig sein kann. Dieses Angebot kann beispielsweise durch ein Streaming-Angebot nicht vollständig ersetzt werden.

Auch das Thema Metadaten wurde von Frau Bohn angesprochen. Sie möchte in diesem Bereich den Datenaustausch fördern und die vorhandenen Standardformate und Normdaten der Filmindustrie bei der bibliothekarischen Erschliessung berücksichtigen – denn diese ist ein wichtiger Faktor für die spätere Nutzung.

Ein Plädoyer für Kooperationen

Frau Bohn schliesst mit einem Aufruf zur Unterstützung der internationalen Kooperationen innerhalb IFLA Audiovisual and Multimedia Section. Denn das Thema audiovisuelle Medien ist so vielschichtig und gross, dass eine Zusammenarbeit über Landesgrenzen und Bibliothekstypen hinaus zentral ist.

 

Die gezeigte PowerPoint-Präsentation können Sie hier als PDF herunterladen: Ohne Scheiben in die Zukunft? [PDF]

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