The Terranauts

Der Medientipp von Pia Siegrist, Bibliotheksmitarbeitende PBZ Altstadt

8 Auserwählte. 4 Frauen und 4 Männer. 2 Jahre unter einer hermetisch abgeriegelten Glaskuppel. Ein Biosphärenexperiment, ein futuristischer Garten Eden, eine Arche Noah 2.0, eine neue Zivilisation. Das ist der Plot für rund 500 Seiten grossartiger Unterhaltung.

T.C. Boyles Roman basiert auf einem Anfang der 90er Jahre in Tucson, Arizona von Wissenschaftlern durchgeführten und von einem texanischen Milliardär finanzierten Projekt, bei dem acht Menschen in einer von der Aussenwelt abgeschotteten Umwelt überleben sollten.

Die Story setzt ein, als die acht Terranauten gerade in einem langwierigen Verfahren ausgewählt worden sind und in rote Overalls gesteckt vor unzähligen Fernsehkameras die «Ecosphere 2» betreten. Ihr Überleben hängt fortan allein von ihrem Erfolg im Bepflanzen der Felder, Ernten der Baumfrüchte und in der Nutztierzucht ab. «Nichts rein, nichts raus», lautet das Motto.

Darüber hinaus sind die Terranauten verpflichtet, zwecks PR für die Presse und Besuchergruppen zu posieren und täglich mit der Aussenstelle des Projekts, der Mission Control zu kommunizieren, die einen knallharten und erbarmungslosen Businessplan verfolgt.

Boyle lässt drei Protagonisten in verschiedenen Phasen über den Verlauf des Projekts erzählen. Wie in einem Tagebuch berichten die Crewmitglieder Dawn und Ramsay vom Innern der Biosphäre und ihre ehemalige Mitstreiterin Linda, die es nicht in die Crew geschafft hat, jene aber für die Führungsriege des Experiments bespitzelt, nimmt alternierend dazu die Aussenperspektive ein.

Die anfängliche Idylle ist trügerisch: Das Zirpen der Grillen gäbe es nicht ohne das Surren der Luftumwälzpumpen, das Quaken der Frösche nicht ohne das Rauschen der Wellenmaschine. Die Anfälligkeit der künstlichen Biosphäre findet bald Parallelen im sozialen Miteinander, in den emotionalen Verstrickungen, den aufkommenden Begierden, Ängsten und Nöten der acht Terranauten, die bald über ihren anfänglichen Idealismus und Enthusiasmus hinweg vor allem an der eigenen Inszenierung für die mediale Aussenwelt interessiert sind.

Das ist die eigentliche Stärke des Romans, denn es sind vor allem die treffenden Beschreibungen der menschlichen Schwächen, die den Roman so unterhaltsam machen.

  • «The Terranauts» von T.C. Boyle.
  • Harper Collins Publishers, 2016. Zu deutsch: «Die Terranauten», Carl Hanser Verlag, 2017.

Bestand in der PBZ (In Englisch in den PBZ Bibliotheken Altstetten, Aussersihl, Oerlikon, Riesbach, Schwamendingen und Sihlcity. In Deutsch in allen 14 PBZ-Bibliotheken vorhanden.

Weiterempfehlen: