Die Geschichte einer kurzen Ehe

Der Medientipp von Stefan Hüsler, Bibliotheksleiter PBZ Schwamendingen

Der Debutroman des tamilischen Autors stellt uns für einen Tag mitten hinein ins Grauen des Bürgerkriegs auf Sri Lanka. Aus der Perspektive von Dinesh, einem jungen Mann, der in einem Lager im Dschungel Verletzte versorgt und Gräber schaufelt, wird eine existentielle Situation erzählt. Früher war Dinesh auf der Flucht von Lager zu Lager, seine Mutter hat dabei nicht überlebt. Er erinnert sich nicht an ihr Gesicht, ist wie alle im Lager im Trauma erstarrt. Regelmässig gegen Morgen fallen die Bomben aufs Lager. Da bittet ihn ein Mann, seine Tochter Ganga zu heiraten. Nach dem Tod seiner Frau und seines einzigen Sohnes ist er nicht mehr imstande, für sie zu sorgen.

Geschichte einer kurzen Ehe

Dinesh willigt ein, es könnte auf kleinste Weise Hoffnung für ihn werden. Voller Achtsamkeit beschreibt der junge Autor, wie sich zwei versehrte Menschen in scheuen, sprachlosen Gesten ein Stück Zärtlichkeit und Menschlichkeit «erobern». Der Reichtum dieses tief berührenden Romans liegt in der präzisen Wahrnehmung und Beschreibung von Einzelheiten. Inmitten des Grauens und ohne Hoffnung auf Errettung versucht Dinesh, einen letzten Rest Würde zu wahren. Der Autor bildet das in einer Sprache ab, die jedem Wort äusserste Sorgfalt beimisst. Beinahe sakral ist die stille Szene, als sich Dinesh in seiner Hochzeitsnacht am Brunnen beim Waschen seines Körpers und seiner Kleider seiner kostbaren Menschlichkeit bewusst wird. 

  • «Die Geschichte einer kurzen Ehe» von Anuk Arudpragasam
  • Hanser, 2017
  • Das Buch «Geschichte einer kurzen Ehe» ist in den PBZ Bibliotheken   Altstadt, Affoltern, Altstetten, Aussersihl, Hardau, Höngg, Oerlikon, Riesbach, Sihlcity und Schwamendingen vorhanden.

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